Projekte

Hilfe zur Selbsthilfe: Workcamp zur Förderung von Integration und Toleranz – Stärkung der europäischen Identität. Deutsche und rumänische Jugendliche tauschen sich aus.

 

Seit zwei Jahren unterstützt das Forum Unna die evangelische Emmaus-Kirchengemeinde in Hamm, um Kindern in Rumänien ein besseres Leben zu ermöglichen.

Seit 1992 steht die Kirchengemeinde mit der rumänischen Gemeinde Halmeu und dem Kinderheim „Floare de col?“ in Kontakt. Bis heute sind durch diese partnerschaftliche Zusammenarbeit viele Projekte entstanden. Gegenstand dieses Projektes ist ein internationaler deutsch-rumänischer Kinder- und Jugendaustausch.

Für 2018 soll, wie in 2017, das gemeinsame Europa im Fokus für das geplante Projekt „Workcamp zur Förderung von Integration und Toleranz – Stärkung der europäischen Identität“ stehen. Die Entscheidung für eine Fortführung des durchgeführten Projektes aus 2017 wurde getroffen, da die beiden Jugendbegegnungen hinreichend ihre Ziele erreicht haben. Allerdings wurde auch erkannt, dass die in 2017 erreichten Ziele eine langfristige, weitergehende Förderung benötigen, um z. B. die demokratischen Werte bei den Jugendlichen zu festigen. Oft holt der Alltag die Jugendlichen ein und das Erlernte wird wieder durch soziale Einflüsse verdrängt.

Die Rückbegegnung der rumänischen Jugendlichen in Werl-Hilbeck (Deutschland) soll in 2019 erfolgen. Hier wird auf dem Ponyhof in Hilbeck die Arbeit mit Pferden nähergebracht. Unter anderem sind wieder anhand eines reitpädagogischen Konzeptes Workcamp-Einsätze, wie Beendigung der Einfriedung der Pferdewiesen, Instandhaltung von Hof und Weidebereichen sowie Füttern und Misten, an der Tagesordnung. 

Der Kerngedanke dieses Projektes ist es, den europäischen, gemeinschaftlichen Gedanken zu fördern und Vorurteile gegenüber Rumänien sowie gegenüber den Minderheiten in Rumänien abzubauen. Einerseits sollen die Jugendlichen die Unterschiede und Diversitäten der anderen Gesellschaft kennen lernen, um so Vorurteilen vorzubeugen und die einzelnen Unterschiede anzuerkennen. Gerade die Sichtweise zu Rumänien soll sensibilisiert werden und deren Vielfalt als eine Bereicherung zu nutzen. Probleme sollen näher gebracht werden, um Verständnis und Akzeptanz zu erreichen, die Jugendlichen sollen für unterschiedliche soziale und gesellschaftliche Herausforderungen sensibilisiert werden.  

Andererseits soll dieses Projekt der noch intensiveren Zusammenführung der Kinder aus dem Kinderheim sowie der Schule in Halmeu dienen. Eine Begegnung zwischen den Kindern mit sozialschwachen Hintergründen, wie Roma-Kindern, und den Kindern des Ortes soll langfristig im Ort dem Antiziganismus entgegenwirken und die Integration der Minderheiten vor Ort fördern.

Die Sichtweise von Bürgern anderen Länder über Rumänien und dessen Bevölkerung ist häufig mit Vorurteilen verbunden. Rumänien wird oft nicht als ein wertvolles und vollwertiges Mitglied der EU angesehen. Zugleich findet innerhalb des Landes ein ebenfalls vorurteilbelastender Konflikt gegenüber den dort lebenden Minderheiten statt. Antiziganismus ist in Rumänien – wie auch in großen Teilen des westlichen Europas – weit verbreitet und richtet sich gezielt auf Sintis, Romas und weitere Minderheiten. Diese Denkweise kennzeichnet die häufig als „Zigeuner“ stigmatisierte ethnische Minderheit unter anderem als „primitiv“, „schmutzig“ „kulturlos“, „unzivilisiert“, „faul“ und „kriminell“. Die verschiedenen Klischees des „Zigeuner“-Konstrukts umfassen unter anderem das angebliche Betteln und Stehlen, Wahrsagen und Musizieren sowie das heimatlose Umherziehen. Diese unterschiedlichen sozialen Schichten Rumäniens lassen wenig Raum für Chancengleichheit, Toleranz sowie soziale Akzeptanz.

Auch Halmeu ist von der Armut und den Vorurteilen betroffen. Aufgrund des Rückgangs des infrastrukturellen Eisenbahnen-Schienenverkehrs in Halmeu sind große Verdienstmöglichkeiten verloren gegangen. Wegen der fehlenden Industriebeschaffenheit weichen viele Einwohner auf die Agrarwirtschaft aus. Es mangelt an finanziellen Mitteln für benötigte Maschinen, die zu einer gewinnbringenden Wirtschaft führen. Um den fehlenden Maschineneinsatz auszugleichen und den wirtschaftlichen Anforderungen entgegen treten zu können, nimmt der Personaleinsatz stetig zu. Eine weitere Problematik obliegt dem Verhältnis des Einkommenslohnes und der Lebenshaltungskosten. Trotz der niedrigen Gehälter sind die Lebenshaltungskosten nahezu gleich hoch wie in Deutschland. Folge dessen fehlen Eltern oftmals die finanziellen Möglichkeiten, ihre Kinder bildungsgerecht zu fördern, um ihnen bessere Lebensbedingungen zu verschaffen. Letztendlich müssen viele Kinder in Armut oder im Kinderheim aufwachsen. Zudem sind viele Bürgerinnen und Bürger in Halmeu entweder Analphabeten oder nicht altersgerecht schulisch gebildet.

Das Centrul de Plasament al Copilului „Floare de Col?” (Kinderheim Edelweiß) in Halmeu steht seit 1992 in Kooperation mit der Emmaus-Kirchengemeinde. Das Kinderheim Edelweiß nimmt Kinder und Jugendliche in Obhut, deren Eltern aus körperlichen oder geistigen Gründen nicht in der Lage sind, für sie zu sorgen, die abgeschieden in den Bergen aufgewachsen sind und keine Möglichkeit hatten, die Schule zu besuchen sowie die schlimme Schicksalsschläge erlebt haben. Viele dieser Kinder und Jugendlichen sind den oben genannten Minderheiten zugehörig und kämpfen jeden Tag mit Vorurteilen ihrer Herkunft. Ihnen bleibt oftmals die Chancengleichheit auf eine gesellschaftliche und berufliche Integration verwehrt.

Viele Jugendliche können nicht Lesen und Schreiben und werden in gleichaltrigen Klassen eingeteilt. Folge dessen können die Jugendlichen am Schulunterricht nicht konzentriert teilnehmen und stören gleichzeitig andere Schüler beim Lernen. Ausreichend geschulte, pädagogische Lehrkräfte können aus Mangel an finanziellen Mitteln nicht eingestellt werden, um diese Jugendliche individuell zu fördern. Ein weiteres Problem stellt die Intoleranz der Diversitäten von Minderheiten, das zum Antiziganismus führt, dar, die bereits Kinder von klein auf selbst mitbekommen. Aufgrund dessen werden sie nach ihrer ethnischen Herkunft verurteilt und nicht als ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft betrachtet.

Neben der Problematik der Förderung der Kinder ist auch der Zustand des Kinderheimgebäudes ein wesentliches Problem. Noch immer verfügt das Kinderheim nicht über genügend Geldeinnahmen, um auf westeuropäischen Standard umzubauen. Mit Hilfe der Emmaus-Kirchengemeinde wurde allerdings in den vergangenen Jahren regelmäßig durch zahlreiche Projekte Teile des Kinderheims modernisiert. Erst letztes Jahr wurde im Projekt mithilfe von deutschen Jugendlichen und Handwerkern ein neuer Kletterturm gebaut und die Wohnbereiche modernisiert. Bis heute gibt es dennoch Mängel, die eine Renovierung nötig machen.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.emmaus-hamm-rumaenienhilfe.de

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